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Eine Frau sitzt auf einem felsigen Gipfel, von hinten gesehen, und blickt bei Sonnenuntergang über dunstige Bergketten

Macht Social Media schlechte Laune? Was die Studien zeigen

4 Min. Lesezeit
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Im Schnitt ist der Effekt von Social Media auf die Stimmung klein, und er hängt stark davon ab, wie du die Apps nutzt. Was vier Studien gefunden haben, plus ein einfacher Zwei-Wochen-Test für dich selbst.

Die meisten kennen das: Du legst das Handy nach vierzig Minuten Scrollen weg und fühlst dich etwas schlechter als vorher, ohne genau sagen zu können, warum. Ob daraus echter Schaden wird, gehört zu den lautesten Streitfragen der Psychologie. Forschende widersprechen sich öffentlich, und die Schlagzeilen ergreifen Partei.

Die Forschung legt eine weniger dramatische Antwort nahe, als beide Lager sie gern geben. Im Schnitt ist der Effekt klein, und er scheint stark davon abzuhängen, wie man die Apps nutzt. In Studien, in denen Leute ihre Nutzung eingeschränkt haben, ging es manchen etwas besser. Was Scrollen speziell mit dir macht, verrät dir das alles nicht. Eine ziemlich gute Vorstellung davon bekommst du aber in ein paar Wochen selbst.

Eine Frau sitzt auf einem felsigen Gipfel, von hinten gesehen, und blickt bei Sonnenuntergang über dunstige Bergketten
Weniger Social Media sah in den Studien unten weniger nach diesem Bild aus und mehr nach zehn Minuten pro App und Tag.

Der durchschnittliche Effekt ist klein

2019 werteten Amy Orben und Andrew Przybylski aus Oxford große Erhebungen aus den USA und Großbritannien neu aus, mit Daten von mehr als 350.000 Jugendlichen. Insgesamt erklärte die Nutzung digitaler Technik höchstens 0,4 % der Unterschiede im Wohlbefinden der Jugendlichen. Der Zusammenhang war negativ, aber winzig, und die beiden wiesen darauf hin, dass er ungefähr so groß war wie der zwischen Wohlbefinden und dem Essen von Kartoffeln.

Orben, A. & Przybylski, A.K. (2019). “The association between adolescent well-being and digital technology use.” Nature Human Behaviour, 3(2), 173-182.

Das Ergebnis hat Grenzen. Es waren Korrelationsdaten über Jugendliche, und „Nutzung digitaler Technik“ umfasste weit mehr als soziale Medien. Was Instagram mit einem 40-Jährigen macht, lässt sich damit nicht klären. Ein kleiner Durchschnitt kann außerdem eine Minderheit verdecken, die stark betroffen ist, ausgeglichen durch Menschen, die gar nicht betroffen sind oder sogar etwas Gutes daraus ziehen.

Scrollen ist nicht dasselbe wie Reden

Wie du die Apps nutzt, scheint eine Rolle zu spielen. 2015 verglichen Philippe Verduyn und Kollegen zwei Arten der Facebook-Nutzung: passiv, also durch Beiträge und Fotos anderer scrollen, und aktiv, also selbst posten und Nachrichten schreiben. In einem Laborexperiment und in einer Studie, die Teilnehmende mehrmals am Tag per SMS nach ihrem Befinden fragte, sagte passive Nutzung einen Stimmungsabfall im Lauf des Tages voraus. Bei aktiver Nutzung war das nicht so. Neid schien einen Teil des Zusammenhangs zu erklären, was niemanden überraschen dürfte, der schon einmal vom eigenen Sofa aus die Urlaubsfotos anderer Leute durchgesehen hat.

Verduyn, P. et al. (2015). “Passive Facebook usage undermines affective well-being: Experimental and longitudinal evidence.” Journal of Experimental Psychology: General, 144(2), 480-488.

Im Alltag ist eine Nachricht an eine Freundin oder eine Antwort in einer Gruppe, die dir etwas bedeutet, etwas anderes als ein Feed voller Fremder, auch wenn beides in derselben App passiert und beides gleich in deine Bildschirmzeit eingeht.

Was passiert, wenn Leute weniger nutzen

In einem Experiment von 2018 an der University of Pennsylvania wurden 143 Studierende per Zufall aufgeteilt: Die einen nutzten soziale Medien wie gewohnt, die anderen begrenzten Facebook, Instagram und Snapchat drei Wochen lang auf je 10 Minuten am Tag. Die Gruppe mit Limit berichtete von weniger Einsamkeit und weniger depressiven Symptomen als die Vergleichsgruppe, am deutlichsten bei denen, die anfangs mehr Symptome hatten. In beiden Gruppen gingen Ängstlichkeit und die Sorge, etwas zu verpassen, zurück. Die Autoren vermuteten, dass schon das Mitprotokollieren der eigenen Nutzung dazu beigetragen haben könnte.

Hunt, M.G., Marx, R., Lipson, C. & Young, J. (2018). “No More FOMO: Limiting Social Media Decreases Loneliness and Depression.” Journal of Social and Clinical Psychology, 37(10), 751-768.

Eine wirtschaftswissenschaftliche Studie, 2020 veröffentlicht, war deutlich größer angelegt. Sie rekrutierte rund 2.700 Facebook-Nutzer in den USA und bezahlte einen Teil von ihnen dafür, ihr Konto vier Wochen lang zu deaktivieren. Wer deaktivierte, gewann etwa eine Stunde am Tag, berichtete von leicht höherem Wohlbefinden und war politisch etwas weniger polarisiert. Nach den vier Wochen nutzten viele von ihnen Facebook weniger als vorher.

Allcott, H., Braghieri, L., Eichmeyer, S. & Gentzkow, M. (2020). “The Welfare Effects of Social Media.” American Economic Review, 110(3), 629-676.

Das sind überschaubare Effekte, gemessen über wenige Wochen bei Freiwilligen, die ohnehin bereit waren, weniger zu nutzen. Keine der beiden Studien legt nahe, dass Aufhören eine gedrückte Stimmung heilt. Die Gewohnheit zu stutzen ist aber risikoarm und leicht rückgängig zu machen, also ein fairer Selbstversuch. Wenn deine Stimmung seit mehr als zwei Wochen an den meisten Tagen gedrückt ist, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, egal wie deine Bildschirmzeit aussieht.

Dein eigener Test

Zwei Wochen reichen für eine grobe Antwort. In der ersten Woche nutzt du dein Handy wie immer und notierst am Ende jedes Tages, wie deine Stimmung war. In der zweiten Woche änderst du ein oder zwei Dinge. Nachrichten schreiben und posten kannst du weiter, aber die Feeds bekommen ein Zeitlimit, über die Bildschirmzeit-Einstellungen, die dein Handy ohnehin hat. Das Handy kommt nicht mit ins Bett, und in der ersten Stunde nach dem Aufwachen bleiben die Apps zu. Dann vergleichst du die beiden Wochen.

Es hilft auch, im Moment darauf zu achten. Spür nach einer langen Scroll-Runde nach, wie es dir geht, und vergleich das mit dem Gefühl nach einem Spaziergang oder einem Telefonat mit jemandem, den du magst. Das klingt banal, aber man kann leicht monatelang nicht darauf achten, und die Studie aus Pennsylvania deutet an, dass schon das Hinschauen etwas bringen könnte.

Lamplit hat selbst einen Community-Feed, wir werden dir also nicht raten, soziale Apps aufzugeben. Interessant ist eher, welche Art der Nutzung dich hinterher schlechter gelaunt zurücklässt. Die Stimmungsabfrage im Lamplit-Journal ist eine einfache Möglichkeit, während des Tests Buch zu führen: drei Fingertipps für deine Grundstimmung, ein genaueres Gefühl und den Lebensbereich, um den es geht. Mach sie in beiden Wochen jeden Abend, dann zeigt dir die Auswertung im Journal, wie sich deine Stimmung entwickelt. Die Frage „Vorsatz für morgen“ ist ein guter Ort, um die eine Regel festzuhalten, die du gerade ausprobierst, zum Beispiel: Das Handy lädt in der Küche.

Öffne dein Lamplit-Journal und mach heute Abend die Stimmungsabfrage. Sie ist kostenlos und braucht nur drei Fingertipps.

Häufige Fragen

Verursacht Social Media Depressionen?

Für die meisten Menschen zeigt die Forschung das nicht. In Erhebungen mit mehr als 350.000 Jugendlichen erklärte die Nutzung digitaler Technik höchstens 0,4 % der Unterschiede im Wohlbefinden, wobei ein so kleiner Durchschnitt Menschen verdecken kann, die stärker betroffen sind. Wenn deine Stimmung seit mehr als zwei Wochen an den meisten Tagen gedrückt ist, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, egal wie deine Bildschirmzeit aussieht.

Ist passives Scrollen schlechter als Posten oder Schreiben?

In einer Studie von 2015 sagte passive Facebook-Nutzung, also durch Beiträge und Fotos anderer scrollen, einen Stimmungsabfall im Lauf des Tages voraus, aktive Nutzung wie Posten und Nachrichtenschreiben dagegen nicht. Neid schien einen Teil des Zusammenhangs zu erklären. Einer Freundin zu schreiben und einen Feed voller Fremder anzuschauen sind verschiedene Dinge, auch wenn beides in derselben App passiert.

Wie stark sollte ich Social Media einschränken?

Eine Menge, die für alle passt, ist nicht belegt. In einem Experiment berichteten Studierende, die Facebook, Instagram und Snapchat drei Wochen lang auf je 10 Minuten am Tag begrenzten, von weniger Einsamkeit und weniger depressiven Symptomen als Studierende mit normaler Nutzung. Ein einfacher Selbsttest ist eine normale Woche, gefolgt von einer Woche mit Zeitlimits für Feeds, ohne Handy im Bett und ohne Apps in der ersten Stunde nach dem Aufwachen, wobei du jeden Abend deine Stimmung notierst.

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Lamplit-Team

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